KI entwirft giftige Gentechnikpflanzen
Ein Bundestagsgutachten warnt vor fehlender Risikoprüfung. Was es damit auf sich hat, erklärt die Aurelia Stiftung.
Do 20. November 2025 BieneMenschNatur.49, Gentechnik
Bei einem Fachgespräch im Deutschen Bundestag wurde ein neues Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags vorgestellt, dass von MdB Ina Latendorf (Die Linke) in Auftrag gegeben wurde. Das Papier untersucht den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Pflanzenzüchtung und die Anwendung Neuer Genomischer Techniken (NGT) – mit Fokus auf deren Risiken für Umwelt und Bestäuber.
Anlass für das Gutachten war ein Proof-of-Concept-Experiment, an dem die Aurelia Stiftung wesentlich beteiligt war. Dabei wurde erstmals gezeigt, dass sich mithilfe einer öffentlich zugänglichen KI Gentechnikpflanzen entwerfen lassen, die insektengiftig sind und nach einem aktuellen Gesetzesvorschlag der EU-Kommission ohne Prüfung der Umweltrisiken freigesetzt werden dürfen. Das Experiment zu insektengiftigen sogenannten NGT 1-Pflanzen wurde kürzlich als wissenschaftlich überprüfte Studie in der Fachzeitschrift „Frontiers“ publiziert.
Ein Skandal: Insektengiftige Gentechnikpflanzen ohne Risikoprüfung
„Dass es der Gesetzesvorschlag der EU ermöglichen würde, insektengiftige Gentechnikpflanzen ohne Risikoprüfung freizusetzen, ist ein Skandal. Die EU muss ihren ,giftigen’ Vorschlag zur Gentechnik-Deregulierung zurückziehen und einen wissenschaftlich fundierten Entwurf vorlegen, der die Umweltrisiken von NGT 1-Pflanzen berücksichtigt“, so Bernd Rodekohr von der Aurelia Stiftung, einer der Studienautoren.
Thomas Radetzki, Vorstand der Aurelia Stiftung, warnte bei dem Fachgespräch eindringlich vor den ökologischen Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen, die ohne Umweltfolgenabschätzung freigesetzt werden sollen. Er verwies auf aktuelle Studien, die zeigen, dass gentechnische „Optimierungen“ indirekte Wirkungen haben können, zum Beispiel:
- NGT 1-Pflanzen mit verändertem Fettsäuregehalt können Gehirnfunktion und Fortpflanzung von Bestäubern beeinträchtigen.
- Frühblühende NGT 1-Pappeln könnten durch zeitliche Verschiebungen von Blühphasen ganze Nahrungsnetze stören.
- „Es wäre verantwortungslos, KI-gestützte Gentechnik ohne Risikoprüfung einzusetzen. Das Vorsorgeprinzip der EU darf nicht aufgeweicht werden“, so Radetzki.
Auch „kleine“ gentechnische Eingriffe können Bienen gefährden
Dr. Juliane Mundorf vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) stellte eine aktuelle Fachpublikation des BfN zu NGT-Pflanzen und KI vor. Ihr Fazit: Die von der EU vorgesehenen Zulassungskriterien beruhen auf vereinfachten und wissenschaftlich nicht tragfähigen Annahmen. Als Beispiel nannte sie KI-gestützte Veränderungen, durch die Pflanzen völlig neue Eiweiße bilden könnten – und dennoch ohne Risikoprüfung auf den Markt kämen.
Selbst „kleine“ gentechnische Eingriffe können die Gesundheit von Bienen und anderen Bestäubern nachweislich gefährden und damit die Nahrungskreisläufe der Landschaften. Die Aurelia Stiftung fordert, eine verpflichtende Umweltfolgenabschätzung für alle neuen Gentechnikpflanzen und eine offene Debatte über die irreparablen ökologischen Folgen durch nicht hinreichend überprüfte Pflanzen aus KI-basierter Gentechnik.
Studie zu insektengiftigen Gentechnikpflanzen.
Bernd Rodekohr, Aurelia Stiftung